ANKÜNDIGUNG 8. #BIBCHATDE AM 06.11.2017

Ihr habt euch beim Voting für den nächsten BibChat für folgendes Thema entschieden:

Wie sehen BürgerInnen, die Bibliotheken gar nicht nutzen, Bibliotheken und wie könnte man sie erreichen?

 

In einem EU-weiten Vergleich von 2013 liegt Deutschland bei den Bibliotheksbesuchen mit 23 % der Bevölkerung nur auf Platz 20. Hier ist im Vergleich zu Ländern wie Schweden, Finnland und Dänemark (Platz 1-3 mit 74 bzw. 66 und 63 %) noch viel Luft nach oben.

In den letzten 4 Jahren hat sich die Mediennutzung noch weiter verändert. Es werden z.B. Filme und Musik häufiger online konsumiert. (Quelle: ARD/ZDF-Onlinestudie 2017). Die Anzahl der eBook-Käufer ist von 2012 bis 2016 um rd. 35 % gestiegen (von 2,4 Mio auf 3,8 Mio – Quelle: BuBiZ, Börsenverein des dt.Buchhandels, 2017)

Wie notwendig und sinnvoll ist es also, sich um die zu bemühen, die Bibliotheken nicht (mehr) besuchen?

Laut der Allensbach-Studie aus dem Jahr 2015 halten immerhin noch 32 % der Bevölkerung öffentliche Bibliotheken auch in Zukunft für relevant.
Aber für über ein Drittel der Deutschen sind öffentliche Bibliotheken wenig oder gar nicht wichtig.

Schon seit vielen Jahren wird diskutiert, ob eine öffentliche Bibliothek tatsächlich für alle da sein muss, oder ob Zielgruppen, die man bereits erreicht, im Fokus bleiben bzw. welche neuen Zielgruppen beworben werden sollen.

Hier stellt sich die Frage, wie man diese erreicht, aber ebenso, welches Bild BürgerInnen, die Bibliotheken nicht nutzen, von diesen haben.

Soll und will man daran etwas ändern und falls ja, in welcher Form kann dies geschehen – darum dreht sich der diesmalige Bibchat-Abend.

Wir würden uns sehr freuen, wenn ihr im Vorfeld entweder Personen aus eurem Twitter-Umfeld für den Abend gewinnen könntet oder euch auch in eurem Familien- und Freundeskreis vorab erkundigt, woran es liegt, dass diese keine Bibliotheken (mehr) nutzen.
Dabei muss einem bewusst sein, dass dies „nur“ Informationen aus dem jeweils eigenen bzw. umliegenden Milieu sind und andere, die wir nicht persönlich kennen, wieder außen vor bleiben.

Aber wie immer soll dieser Abend nur als Anregung verstanden werden, sich mit dem Thema etwas intensiver auseinanderzusetzen und vielleicht in die berufliche Situation einzubringen und/oder sich ggf. mit anderen weiter zuvernetzen, die hier schon mehr Vorkenntnisse oder weiterführende Informationen haben.

Der Abend wird durch folgende Einzelfragen strukturiert:

F1 Aus welchen Gründen geht ihr bzw. eure Freunde/Bekannte nicht (mehr) in Bibliotheken?

F2 In drei Adjektiven: Welches Bild haben NichtnutzerInnen von einer öffentlichen Bibliothek?

F3 Was müsste eine Bibliothek bieten, damit sie attraktiver wird und bisherige Nichtnutzer sie besuchen?

F4 Welche Bevölkerungsgruppen besuchen eher weniger die Bibliothek? Warum? Lässt sich das ändern?

F5 Mit welchen konkreten Angeboten konnten Bibliotheken zuletzt neue Nutzer gewinnen?

F6 Welche Ideen/Anregungen habt ihr noch zum Thema?

F7 Im Hinblick auf die fortgeschrittene Zeit: Themenvorschläge für den nächsten #BIBchatDE?

Zum Thema gibt es eine repräsentative Nichtnutzungsstudie aus dem Jahr 2012 von DBV und Stiftung Lesen.

Einzelne Punkte/Ergebnisse daraus, die für unseren Bibchat-Abend interessant sein könnten, seien hier aufgeführt:

Einflussfaktoren über die Gründe von Nichtnutzung von Bibliotheken:

Ein typischer ehemaliger Nutzer

  • ist überdurchschnittlich häufig männlich
  • ist überdurchschnittlich häufig im berufstätigen Alter und formal hoch gebildet
  • hat überdurchschnittlich häufig keine Kinder im Haushalt
  • hat überdurchschnittlich häufig in der Kindheit keine Bibliothek mit den Eltern besucht
  • bezieht seine Bücher vergleichsweise häufig über das Internet

Ein typischer Nichtnutzer

  • ist überdurchschnittlich häufig männlich
  • ist überdurchschnittlich häufig 60 Jahre und älter
  • hat überdurchschnittlich häufig keine Kinder im Haushalt
  • hat überdurchschnittlich häufig in der Kindheit keine Bibliothek mit den Eltern besucht
  • hat ein geringeres Interesse an jeglicher Art von Büchern und liest weniger, wendet sich auch anderen Medien weniger häufig zu
  • interessiert sich überdurchschnittlich für praktische Alltagsfragen und unterdurchschnittlich für Themen, mit denen Bibliotheken klassisch in Verbindung gebracht werden wie Weiterbildung, Kunst, Literatur, Wissenschaft

Die Mehrheit der Nichtnutzer und ehemaligen Nutzer hat keine tiefsitzenden negativen Vorstellungen von Bibliotheken. Das Image ist damit kein zentraler Grund für Nichtnutzung. Dies bedeutet auch, dass eine reine Imagekampagne nur sehr bedingt ehemalige Nutzer zurückbringen bzw. Nichtnutzer zu Nutzern machen dürfte.

Gründe für Nicht-Nutzung:

  • Persönliche (selber kaufen, keine Zeit, lese nicht)
  • Angebot (nichts für mich dabei, bekomme ich anderswo schneller, Veranstaltungen interessieren mich nicht) und Rahmenbedingungen der Bibliothek (Räumlichkeiten und Öffnungszeiten)
  • Am seltensten als Grund wird die negative Begegnung mit Mitarbeitern genannt

Was sind erfolgsversprechende Maßnahmen?

Unter ehemaligen Nutzern haben die Einrichtung einer Cafeteria, die Lieferung von Medien nach Hause, ein altersgerechtes und attraktives Veranstaltungsangebot sowie eine Erweiterung der Öffnungszeiten ein gutes Potenzial, diese Gruppe wieder zu gewinnen. Bei Nichtnutzern hingegen lassen sich keine Maßnahmen identifizieren. Vor diesem Hintergrund wird der Stellenwert der frühen Sozialisation mit Bibliotheken deutlich. Kooperationen mit Kindergärten und Schulen, aber auch niederschwellige Events, die Eltern einen Anreiz geben, mit ihren Kindern eine Bibliothek zu besuchen, etablieren und festigen Bibliotheken als Teil der Lebenswelt von Kindern. 14- bis 19-Jährige Nichtnutzer sind mit Maßnahmen zu erreichen, die das elektronische, digitale Angebot von Bibliotheken ausbauen und verbessern. Hierin liegen sicher auch Potenzial, 14- bis 19-Jährige auch über die Schulzeit hinaus an Bibliotheken zu binden.

Und als abschließende Anekdote am Rande ist in diesem Zusammenhang Andre Walkers Twitter-Aufruf „Nobody goes to library anymore . Close the public ones“, der über 100 000 Antworten generierte, die man überwiegend als Shitstorm bezeichnen kann und den der House-of-Commons-Abgeordneter wohl in der Form nicht erwartet hat.

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