Unser Rückblick auf den 10. #BibchatDE

Zunächst möchte ich mich bei allen Teilnehmern des letzten Bibchats bedanken. Es war eine sehr intensive Runde, in der wir auch Stimmen außerhalb des Bibliothekswesens hören konnten. Ich freue mich auch, dass wir über die Kommentarfunktion auch vorab einige Meinungen gewinnen konnten. Es war sicher kein leichtes Thema. Marlene Neumann schrieb zum Schluss

Damit wir eine Diskussionsgrundlage hatten, verwiesen wir auf den Ifla Ethikkodex und veröffentlichten drei Zitate, die uns besonders relevant erschienen.

Den Volltext findet man hier: https://t.co/O1eaZS4sjq

Zunächst wollten wir wissen, wie Ihr die Unabhängigkeit der Bibliothek und eurer Arbeit gewährleistet. Ihr nanntet da Richtlinien, die als Entscheidungsgrundlagen herangezogen werden und die insbesondere die Ausgewogenheit und Unabhängigkeit der Entscheidungen des Bibliothekspersonals gewährleisten sollen. Im besten Falle sind diese Richtlinien öffentlich. Daneben gilt es alle nötigen Informationen zu sammeln und darauf basierend Entscheidungen zu treffen. Häufig wurde hier die Berufspraxis und Erfahrung genannt, die hier eine große Rolle zu spielen scheint. Eine Einflussnahme von außen haben einige noch nicht erlebt. Eine mögliche politische Einflussnahme auf die Sammlung oder andere Bereiche der Bibliothek haben alle Teilnehmer mit „Nein“ antworten können. Es gibt dennoch Fälle in denen Versucht wurde, bestimmte Inhalte politischer oder religiöser Strömungen oder anderer Weltanschauungen in die Bibliotheken zu bringen. Es sei aber bei den Versuchen geblieben.

Dann haben wir nach Beispielen für Titel gefragt, die bewusst nicht in der Bibliothek stehen und wie es dazu ist. Alle Teilnehmer haben deutlich gemacht, dass auch kontroverse Titel in eine Bibliothek gehören. Insbesondere Öffentliche Bibliotheken, die sich nicht auf ein spezielles Sammelgebiet berufen können, tragen Verantwortung. Nicht nur die Auswahl, sondern auch die Art der Bereitstellung und Beschreibung sind wichtig.

In Erlangen hat man z.B. gegen Akif Pirinçcis „Deutschland von Sinnen“. Dabei wurde lange kontrovers im Team diskutiert. Die Entscheidung beruhte auf den menschenverachtenden Inhalten und dem verrohten Sprachstil. Wer das Buch lesen möchte, erhält den Hinweis auf die Fernleihe. Interessanterweise wurden bei der Frage auch oft die limitierten Mittel als Entscheidungsgrundlage herangezogen.

Unterstehen die verschiedenen Bibliothekstypen denn unterschiedlichen ethischen Grundsätzen? Interessanterweise wurde hier sofort eine gewisse Verpflichtung dem Unterhaltsträger (z.B. Konfessionelle Bibliotheken) bzw. dem Bibliothekszweck (Forschungsbibliotheken) und dem Beschäftigungsverhältnis (Angestellte oder Beamte) zugesprochen. Es gäbe aber einen gemeinsamen Wertebezug. Zum Schluss wollten wir noch wissen, ob unsere Bibliotheken den Ansprüchen des IFLA Ethikkodex gerecht werden können. An dieser Stelle möchte ich Herrn Spieler zitieren, der die Antworten sehr gut zusammenfasst:

Mit Sicherheit kann kaum eine Bibliothek von sich behaupten, sämtliche Ethik-Richtlinen einzuhalten! Die jüngst in BuB 11/2017 publizierten Regeln des BID sind (glaub ich) noch schärfer. Gut so, wir sind nicht perfekt, aber wir sollten daran arbeiten! (Martin Spieler)

Ankündigung 10. #BibChatDE am 08.01.2018

Die Medienauswahl in Bibliotheken ist immer mal wieder Anlass für Diskussionen, die teilweise sehr leidenschaftlich geführt werden. Sei es, dass bestimmte Titel vermisst werden oder Anschaffungen für nicht geeignet gehalten werden. Die aktuellste Debatte findet zurzeit in Potsdam statt. In den Potsdamer Neuesten Nachrichten vom 27. Dezember 2017 kritisiert PNN-Redakteur Henri Kramer das Angebot rechtspopulistischer Bücher in der Potsdamer Stadt- und Landesbibliothek. Er schreibt: „… muss in einer Stadt, die sich bundesweit als Modellkommune im Kampf gegen den Rechtsextremismus versteht, die wichtigste Bibliothek tatsächlich Publikationen aus neurechten Verlagen anschaffen und diesen damit noch eine zusätzliche Bühne bieten, als wären solchen Bücher eine Normalität?…“ (zum Kommentar). Die Stadt- und Landesbibliothek Potsdam verweist auf das ethische Selbstverständnis von Bibliothekarinnen und Bibliothekaren in Deutschland. So hat die Dachorganisation der Bibliotheks- und Informationsverbände in Deutschland (Bibliothek & Information Deutschland e.V.) im Oktober 2017 die ethischen Grundsätze für ihre Mitglieder aktualisiert. Darin heißt es unter 1. Zugang zu und Vermittlung von Information, Absatz 2

Wir setzen uns für die freie Meinungsbildung, für Pluralität und für den freien Fluss von Informationen ein, da der ungehinderte Zugang zu Informationen essentiell ist für demokratische Gesellschaften. Eine Zensur von Inhalten lehnen wir ab.

Weiter heißt es unter 2.2 zum Verhältnis zu Unterhaltsträgern:

„Wir betonen die fachliche und inhaltliche Unabhängigkeit der bibliothekarischen Arbeit von politisch motivierter oder anderer sachfremder Einflussnahme.“

Das Thema beschäftigt Bibliotheken in allen Ländern der Welt. Zwischen 2010 und 2012 hat die IFLA einen internationalen Ethikkodex erarbeitet. Dieser steht in einigen Übersetzungen zur Verfügung (hierzu mehr unter: IFLA Code of Ethics).

Aber können Bibliotheken überhaupt „neutral“ handeln? Wie frei sind wir tatsächlich bei der Angebotsgestaltung? Professor Hermann Rösch (TH Köln, jahrelanges Mitglied der IFLA-AG FAIFE (Committee on Freedom of Access to Information and Freedom of Expression)) äußerte sich dazu folgendermaßen:

„Bibliotheken aber haben keine Wahl: Sie müssen den Informationsauftrag in der demokratischen Gesellschaft wahrnehmen. Sie müssen Klarheit darüber schaffen, welche informationsethischen Grundsätze sie ihrer Arbeit zugrunde legen und in welchen Fällen mit Einschränkungen des ungehinderten Zugangs zu Informationsangeboten über Bibliotheken zu rechnen ist.“

Im ersten Bibchat in 2018 möchten wir mit euch diesen schwierigen Auftrag näher beleuchten und über die Grenzen der Neutralität im Alltag der Einrichtung Bibliothek sprechen. Eure Frage lautete: Wie politisch (neutral) sollen/dürfen Bibliotheken sein?

Folgende Fragen möchten wir als Diskussionsgrundlage in die Runde geben:

  • F1 Wie gewährleistet Ihr fachliche und inhaltliche Unabhängigkeit in der Praxis?
  • F2 Ist Euch schon mal politisch motivierte Einflussnahme begegnet?
  • F3 Habt Ihr Beispiele für Titel, die in Eurer Bibliothek bewusst nicht stehen und aus welchen Gründen kam es dazu?
  • F4 Können die selben Ethikregeln für alle Bibliothekstypen und –größen gleichermaßen gelten?
  • F5 Werden Bibliotheken den Ansprüchen des IFLA Ethikkodex in der Praxis gerecht?

ABSTIMMUNG FÜR DEN 10. #BIBCHATDE

Hier könnt ihr für das Thema des 10. #BIBchatDE am 08.01.2018 abstimmen.

Bitte den Tweet, der Dein Wunschthema enthält, einfach faven (bis Dienstag, 19.12.2017):

UNSER RÜCKBLICK AUF DEN 9. BIBCHATDE

Berufsanfänger und Quereinsteiger in Bibliotheken Rückblick

Im 9. Bibchat standen Berufsanfänger und Quereinsteiger im Mittelpunkt der Diskussion. Unter den 25 TeilnehmerInnen waren ein knappes Drittel QuereinsteigerInnen. Zum Nachlesen der Beiträge eignet sich das Storify. Die Tweets können auch über unser Archiv gelesen werden: goo.gl/SE9EWV

In Bibliotheken ist viel Bewegung, auch personell. Vielerorts wird über Nachwuchsmangel geklagt. Die Situation wird sich in den nächsten Jahren noch verschärfen. Gute Zeiten also für alle diejenigen, die gern in einer Bibliothek arbeiten würden und die gefragten Qualifikationen und Erfahrungen mitbringen. Aber wie begehrt ist es, in einer Bibliothek zu arbeiten? Viele reizt die Vielfalt der Tätigkeiten im Umfeld von Mensch, Literatur und Digitalisierung. Auch die Idee der Bibliothek als nichtkommerzieller Bildungsort, der Zugang zu Informationen bietet und Raum für Begegnung schafft, ist ein sinnstiftender Faktor.

Schon immer haben in Bibliotheken Menschen aus verschiedenen Berufsfeldern zusammengearbeitet. Zunehmend gefragt sind IT-Fachleute (z.B. für digitale Langzeitarchivierung, Open Access oder Forschungsdatenmanagement) und Pädagogen (z.B. für die Förderung von Medien- und Lesekompetenz).

Wie gelingt der Berufseinstieg? Es wurden einige konkrete Tipps fürs erste Arbeitsjahr in einer Bibliothek gegeben. Die Kunst besteht darin, alles Neue aufzunehmen, sich einzugliedern und mit anzupacken, und gleichzeitig mit dem frischen Blick von außen neue Ideen einzubringen. Neulinge sollten zudem alle Vernetzungsmöglichkeiten nutzen und auch weiterbildungstechnisch am Ball bleiben.

Die bibliothekarische Ausbildung (einschließlich Studium) soll auf der Höhe der Zeit sein, auch bei technischen Entwicklungen. Hier empfiehlt sich die Einbindung von Praktikern und Experten in die Lehre. Die Ausbildung kann jedoch nicht auf jedes mögliche Einsatzgebiet optimal vorbereiten und keine zukünftigen Entwicklungen vorwegnehmen. Ihre Aufgabe liegt in der Vermittlung eines stabilen und breiten fachlichen Fundaments sowie in der Förderung von Metakompetenzen. Ziel sollte sein, den Nachwuchs zu motivieren, sich den wandelnden Herausforderungen der Bibliotheks- und Informationsbranche immer wieder neu selbstdenkend und -handelnd zu stellen. Also auf zur lebenslangen Bildung… und zum nächsten Bibchat!

Der 10. Bibchat wird ausnahmsweise nicht am ersten Montag des Monats stattfinden, sondern am Montag, den 8. Januar. Wir hoffen, ihr seid auch im nächsten Jahr wieder dabei und wünschen euch von Herzen frohe Weihnachten und einen guten Rutsch!

Vorher könnt ihr noch abstimmen, welches Thema am 8. Januar 2018 um 20 Uhr diskutiert werden soll.

ANKÜNDIGUNG 9. #BIBCHATDE AM 4.12.2017

Berufsanfänger und Quereinsteiger in Bibliotheken

Ihr habt euch beim Voting für den kommenden BibChat für das folgende Thema entschieden:

Berufsanfänger und Quereinsteiger in Bibliotheken: Was sind die Chancen, was gilt es zu berücksichtigen?

Um in einer Bibliothek zu arbeiten, gibt es verschiedene Wege, die man gehen kann. Üblicherweise absolviert man dafür entweder

  • die Ausbildung zum Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste (FaMI)
  • ein Bachelor-Studium in Bibliotheks- und Informationswissenschaft oder
  • einen Master-Abschluss in Bibliothekswissenschaft an ein abgeschlossenes Fachstudium angeschlossen.

In den bisherigen Bibchats wurde bereits häufiger der Wandel in Bibliotheken (2. Bibchat am 1. Mai) und die damit einhergehenden Auswirkungen auf die Arbeit (6. Bibchat am 4. September) thematisiert. Neue Aspekte im Beruf erfordern die Anpassung des Berufsbildes und der Ausbildungsinhalte, aber auch die Öffnung von Bibliotheken gegenüber „fachfremden“ Spezialisten.

In den nächsten Jahren werden sehr viele Bibliotheksmitarbeiter in den Ruhestand gehen. Es eröffnen sich also gute Perspektiven für Neu- und Quereinsteiger. Viele Buchhändler oder Geisteswissenschaftler würden gerne in einer Bibliothek arbeiten. Doch bei Stellenbesetzungen haben sie in der Regel keine Chance. Gesucht werden vielmehr IT-Spezialisten, z.B. für das Forschungsdatenmanagement oder Erzieher/Pädagogen für die Lese- und Medienkompetenzförderung. Doch ist der Arbeitsort Bibliothek, auch unter Beachtung der tariflichen Rahmenbedingungen, überhaupt attraktiv genug für Menschen aus diesen gefragten Berufsgruppen?

In Bibliotheken sind „Mischarbeitsplätze“ die Regel, d.h. die Beschäftigen haben sich üblicherweise neben ihren bibliothekarischen Aufgaben zusätzlich in spezialisierte Bereiche wie Öffentlichkeitsarbeit oder IT-Betreuung eingearbeitet. Für viele dieser Spezialbereiche wären Quereinsteiger geeignet. Sie würden mit ihrer Fachexpertise die Qualität heben und neue Impulse setzen. Für die nötige Flexibilität beim Personaleinsatz sollten sie sich auch bibliothekarisches Grundwissen aneignen. Das ZBIW der TH Köln bietet für Quereinsteiger eine mehrtägige Fortbildung an.

Wie wirkt sich der Wandel in der bibliothekarischen Aus- und Weiterbildung aus? Mit welchen Erwartungen und Herausforderungen starten Berufsanfänger oder Seiteneinsteiger ins Berufsleben? Wie gelingt die Einarbeitung und wie können die Kenntnisse und Fähigkeiten der Einsteiger bestmöglich eingesetzt und gefördert werden?

Darüber wollen wir mit euch sprechen.

Am „Arbeitsort Bibliothek“-Interessierte oder Seiteneinsteiger, (zukünftige) Berufsanfänger oder langjährige Praktiker – Ihr alle seid eingeladen beim Bibchat am 4.12. miteinander ins Gespräch zu kommen.

Folgende Fragen möchten wir als Diskussionsgrundlage in die Runde geben:

  • F1 Arbeitsplatz Bibliothek – Was reizt euch persönlich daran?
  • F2 Von Mitarbeitern aus welchen weiteren Berufsfeldern profitieren Bibliotheken und warum?
  • F3 Welche konkreten Tipps habt ihr für Berufsanfänger /Quereinsteiger fürs erste Jahr?
  • F4 Wie wichtig ist heutzutage für die Leitung einer Bibliothek eine bibliothekarische Ausbildung/Zusatzqualifikation/Studium?
  • F5 Wie muss sich der Bibliotheksberuf und die Ausbildung wandeln, um zukunftsfähig zu bleiben?
  • F6 Welche Ideen/Anregungen habt ihr noch zum Thema?
  • F7 Im Hinblick auf die fortgeschrittene Zeit: Themenvorschläge für den nächsten #BIBchatDE?

Literatur:

Das Themenheft „Ausbildung und Berufsbild für die Bibliothek der Zukunft“ (Oktober 2017) im Bibliotheksdienst ist leider noch nicht frei zugänglich.

Unser Rückblick auf den 8. #BibChatDE

Am ersten Novembermontag beteiligten sich wieder über 30 Twitterer aktiv eine Stunde lang am Thema „Wie sehen BürgerInnen, die Bibliotheken gar nicht nutzen, Bibliotheken und wie könnte man sie erreichen?“ und setzten rund 500 Tweets ab. Damit haben wir es bei Trendinalia wieder mal bis auf Platz 4 der DeutschlandCharts geschafft.

Erfreulicherweise hat das viele Teilen der mittlerweile über 800 Follower und noch ein entsprechender kurzfristiger Aufruf-Tweet tatsächlich eine Reihe „Nicht-Nutzer“, die auf Twitter unterwegs sind, auf den Plan gerufen und diese haben sich engagiert in die Diskussion eingebracht.
Genau das wünschen wir uns! Und genau das macht den Unterschied aus zu anderen Plattformen: der Austausch mit Leuten, die wir nicht unbedingt auf dem Schirm haben, mit Argumenten, die wir zwar vielleicht kennen, aber die wir in der Diskussion ernsthaft austauschen können und die uns zum Nachdenken bringen über neue Wege  oder auch einfach „nur“ zur Horizonterweiterung.

Dies an der Stelle auch deshalb explizit genannt, um den Statements, die regelmäßig von einigen wenigen eingebracht werden, zu begegnen, die sich im Bibchat eine stärkere Fachdiskussion gewünscht hätten. Aber wir haben immer hier und in allen Veröffentlichungen kundgetan, dass unser Hauptanliegen ist, mit NutzerInnen, MultiplikatorInnen, KooperationspartnerInnen ins Gespräch zu kommen und uns speziell auch mit Nicht-Bibliothekswesen vernetzen zu wollen. Dass dies natürlich erst mal über unsere persönlichen Filterblasen, die nun mal sehr bibliothekarisch geprägt sind, erfolgt, kann und soll nicht vermieden werden.

Insbesondere die Eingangsfragen über die Gründe des Nicht-(mehr)-Nutzens von Bibliotheken (Zeitmangel, lese nicht, kein passendes Angebot, umständliche Ausleihprozesse..) und die Attribute, die Bibliotheken zugeordnet werden (langweilig, verstaubt…), wurde deutlich, dass eine große Unkenntnis über die derzeitigen Angebote von Bibliotheken zu herrschen scheint und die Eindrücke bzgl. Bibliotheken von vielen viele Jahre zurückliegen, sei es aus der Zeit der eigenen Kindheit oder der, in der die eigenen Kinder noch klein waren.

Auf die Frage, was eine Bibliothek bieten müsste, damit sie attraktiver wird und bisherige Nichtnutzer sie besuchen, wurden als sehr entscheidend genannt:

  • erweiterte Öffnungszeiten bzw. mehr Öffnungszeiten in Richtung Abendstunden und Wochenende
  • besserer Zustand und höhere Aktualität der Bücher/Medien
  • mehr Marketing für noch nicht so bekannte Angebote wie Onleihe etc.
  • Auftreten der MitarbeiterInnen

Wer in einer Bibliothek arbeitet, weiß an welchen Stellschrauben mehr oder weniger gedreht werden kann, aber insbesondere dem letztgenannten Punkt sollte sich jede/r Bibliotheksaktive kritisch stellen und gegebenenfalls vor Ort thematisieren.

Entsprechend der oben genannten Problemfelder wurden eine Vielzahl an Ideen und Anregungen eingebracht hinsichtlich Werbemaßnahmen, Wiedergewinnungskampagnen verlorener NutzerInnen und immer wieder dem deutlichen Appell, die eigene Bibliothek als Ort zu stärken, Partner für vielfältige Kooperationen zu sein oder zu werden und auch „nach draußen“ zu gehen – sowohl real als auch online sich mehr zu vernetzen – (SIC #bibchatde).

Einen Großteil der Beiträge kann in unserem Storify jederzeit nachverfolgt werden. Über einige Ideen und mögliche Maßnahmen wird man sich sicher in weiteren Bibchats austauschen können.

ABSTIMMUNG FÜR DEN 9. #BIBCHATDE

Hier könnt ihr nun wieder abstimmen für das Thema des 9. #BIBchatDE am 04.12.2017.
Wir haben auch diesmal Themen aufgenommen, die es bei den letzten Abstimmungen knapp nicht geschafft haben:

Bitte den Tweet, der Dein Wunschthema enthält, einfach faven (bis Donnerstag, 23.11.2017):

ANKÜNDIGUNG 8. #BIBCHATDE AM 06.11.2017

Ihr habt euch beim Voting für den nächsten BibChat für folgendes Thema entschieden:

Wie sehen BürgerInnen, die Bibliotheken gar nicht nutzen, Bibliotheken und wie könnte man sie erreichen?

 

In einem EU-weiten Vergleich von 2013 liegt Deutschland bei den Bibliotheksbesuchen mit 23 % der Bevölkerung nur auf Platz 20. Hier ist im Vergleich zu Ländern wie Schweden, Finnland und Dänemark (Platz 1-3 mit 74 bzw. 66 und 63 %) noch viel Luft nach oben.

In den letzten 4 Jahren hat sich die Mediennutzung noch weiter verändert. Es werden z.B. Filme und Musik häufiger online konsumiert. (Quelle: ARD/ZDF-Onlinestudie 2017). Die Anzahl der eBook-Käufer ist von 2012 bis 2016 um rd. 35 % gestiegen (von 2,4 Mio auf 3,8 Mio – Quelle: BuBiZ, Börsenverein des dt.Buchhandels, 2017)

Wie notwendig und sinnvoll ist es also, sich um die zu bemühen, die Bibliotheken nicht (mehr) besuchen?

Laut der Allensbach-Studie aus dem Jahr 2015 halten immerhin noch 32 % der Bevölkerung öffentliche Bibliotheken auch in Zukunft für relevant.
Aber für über ein Drittel der Deutschen sind öffentliche Bibliotheken wenig oder gar nicht wichtig.

Schon seit vielen Jahren wird diskutiert, ob eine öffentliche Bibliothek tatsächlich für alle da sein muss, oder ob Zielgruppen, die man bereits erreicht, im Fokus bleiben bzw. welche neuen Zielgruppen beworben werden sollen.

Hier stellt sich die Frage, wie man diese erreicht, aber ebenso, welches Bild BürgerInnen, die Bibliotheken nicht nutzen, von diesen haben.

Soll und will man daran etwas ändern und falls ja, in welcher Form kann dies geschehen – darum dreht sich der diesmalige Bibchat-Abend.

Wir würden uns sehr freuen, wenn ihr im Vorfeld entweder Personen aus eurem Twitter-Umfeld für den Abend gewinnen könntet oder euch auch in eurem Familien- und Freundeskreis vorab erkundigt, woran es liegt, dass diese keine Bibliotheken (mehr) nutzen.
Dabei muss einem bewusst sein, dass dies „nur“ Informationen aus dem jeweils eigenen bzw. umliegenden Milieu sind und andere, die wir nicht persönlich kennen, wieder außen vor bleiben.

Aber wie immer soll dieser Abend nur als Anregung verstanden werden, sich mit dem Thema etwas intensiver auseinanderzusetzen und vielleicht in die berufliche Situation einzubringen und/oder sich ggf. mit anderen weiter zuvernetzen, die hier schon mehr Vorkenntnisse oder weiterführende Informationen haben.

Der Abend wird durch folgende Einzelfragen strukturiert:

F1 Aus welchen Gründen geht ihr bzw. eure Freunde/Bekannte nicht (mehr) in Bibliotheken?

F2 In drei Adjektiven: Welches Bild haben NichtnutzerInnen von einer öffentlichen Bibliothek?

F3 Was müsste eine Bibliothek bieten, damit sie attraktiver wird und bisherige Nichtnutzer sie besuchen?

F4 Welche Bevölkerungsgruppen besuchen eher weniger die Bibliothek? Warum? Lässt sich das ändern?

F5 Mit welchen konkreten Angeboten konnten Bibliotheken zuletzt neue Nutzer gewinnen?

F6 Welche Ideen/Anregungen habt ihr noch zum Thema?

F7 Im Hinblick auf die fortgeschrittene Zeit: Themenvorschläge für den nächsten #BIBchatDE?

Zum Thema gibt es eine repräsentative Nichtnutzungsstudie aus dem Jahr 2012 von DBV und Stiftung Lesen.

Einzelne Punkte/Ergebnisse daraus, die für unseren Bibchat-Abend interessant sein könnten, seien hier aufgeführt:

Einflussfaktoren über die Gründe von Nichtnutzung von Bibliotheken:

Ein typischer ehemaliger Nutzer

  • ist überdurchschnittlich häufig männlich
  • ist überdurchschnittlich häufig im berufstätigen Alter und formal hoch gebildet
  • hat überdurchschnittlich häufig keine Kinder im Haushalt
  • hat überdurchschnittlich häufig in der Kindheit keine Bibliothek mit den Eltern besucht
  • bezieht seine Bücher vergleichsweise häufig über das Internet

Ein typischer Nichtnutzer

  • ist überdurchschnittlich häufig männlich
  • ist überdurchschnittlich häufig 60 Jahre und älter
  • hat überdurchschnittlich häufig keine Kinder im Haushalt
  • hat überdurchschnittlich häufig in der Kindheit keine Bibliothek mit den Eltern besucht
  • hat ein geringeres Interesse an jeglicher Art von Büchern und liest weniger, wendet sich auch anderen Medien weniger häufig zu
  • interessiert sich überdurchschnittlich für praktische Alltagsfragen und unterdurchschnittlich für Themen, mit denen Bibliotheken klassisch in Verbindung gebracht werden wie Weiterbildung, Kunst, Literatur, Wissenschaft

Die Mehrheit der Nichtnutzer und ehemaligen Nutzer hat keine tiefsitzenden negativen Vorstellungen von Bibliotheken. Das Image ist damit kein zentraler Grund für Nichtnutzung. Dies bedeutet auch, dass eine reine Imagekampagne nur sehr bedingt ehemalige Nutzer zurückbringen bzw. Nichtnutzer zu Nutzern machen dürfte.

Gründe für Nicht-Nutzung:

  • Persönliche (selber kaufen, keine Zeit, lese nicht)
  • Angebot (nichts für mich dabei, bekomme ich anderswo schneller, Veranstaltungen interessieren mich nicht) und Rahmenbedingungen der Bibliothek (Räumlichkeiten und Öffnungszeiten)
  • Am seltensten als Grund wird die negative Begegnung mit Mitarbeitern genannt

Was sind erfolgsversprechende Maßnahmen?

Unter ehemaligen Nutzern haben die Einrichtung einer Cafeteria, die Lieferung von Medien nach Hause, ein altersgerechtes und attraktives Veranstaltungsangebot sowie eine Erweiterung der Öffnungszeiten ein gutes Potenzial, diese Gruppe wieder zu gewinnen. Bei Nichtnutzern hingegen lassen sich keine Maßnahmen identifizieren. Vor diesem Hintergrund wird der Stellenwert der frühen Sozialisation mit Bibliotheken deutlich. Kooperationen mit Kindergärten und Schulen, aber auch niederschwellige Events, die Eltern einen Anreiz geben, mit ihren Kindern eine Bibliothek zu besuchen, etablieren und festigen Bibliotheken als Teil der Lebenswelt von Kindern. 14- bis 19-Jährige Nichtnutzer sind mit Maßnahmen zu erreichen, die das elektronische, digitale Angebot von Bibliotheken ausbauen und verbessern. Hierin liegen sicher auch Potenzial, 14- bis 19-Jährige auch über die Schulzeit hinaus an Bibliotheken zu binden.

Und als abschließende Anekdote am Rande ist in diesem Zusammenhang Andre Walkers Twitter-Aufruf „Nobody goes to library anymore . Close the public ones“, der über 100 000 Antworten generierte, die man überwiegend als Shitstorm bezeichnen kann und den der House-of-Commons-Abgeordneter wohl in der Form nicht erwartet hat.

Abstimmung für den 8. #BIBCHATDE

Hier könnt ihr nun wieder abstimmen für das Thema des 8. #BIBchatDE am 06.11.2017.

Bitte den Tweet, der Dein Wunschthema enthält, einfach faven (bis Sonntag, 22.10.2017):

Unser Rückblick auf den 7. #BibChatDE

 

Die Oktober-Ausgabe des BibChat war wieder einmal gut besucht. Mit etwa 60 Twitter-Nutzern haben wir uns dem Thema „Bibliotheken und Soziale Medien – Vernetzung in der Filterblase oder wirklicher Mehrwert für die Nutzer? widmen. Es wurden fast 500 Tweets und ReTweets veröffentlicht und wir konnten es immerhin auf Platz 3 der Deutschland-Trends schaffen. Dem Thema angemessen, kam man miteinander ins Gespräch und hat nicht nur die eigene Sicht geschildert. Insbesondere über die  Social Media Auftritten der Kolleg*innen der Büchereien Wien wurde sehr kontrovers diskutiert. Einige Stimmen dazu findet Ihr hier und hier. Eine noch größere Auswahl mit Tweets zu allen Fragen findet Ihr auf Storify unter: https://storify.com/BIBChatDE/7-bibchatde/

Die am meisten verwendeten Sozialen Netzwerke sind Facebook, Twitter und Instagram. Das Bibliotheksblog gehört wohl auch dazu, wurde von vielen aber erst im zweiten Tweet genannt. Dienste wie Snapchat, Pinterrest und WhatsApp wurden zwar erwähnt, sind aber nicht so sehr verbreitet. Als besonders gute Auftritte wurden z.B. @buechereiwien oder @slubdresden auf Twitter; der Instagram-Auftritt der @stabi_erlangen; oder auch die Facebook-Auftritte der Bücherschubsen und der Stadtbücherei Bad Salzuflen genannt. Bei den Bücherschubsen handelt es sich um einen Verbund von drei Bibliotheken aus den Gemeinden Enger, Hiddenhausen und Werther (NRW).

Die Social Media Auftritte von Bibliotheken dienen in aller Regel dem Netzwerken, der Sichtbarmachung der eigenen Arbeit, sowie der Begnung auf Augenhöhe mit den eigenen Kunden. Diese haben die Möglichkeit die Bibliothek(smitarbeiter) auf einer anderen Ebene kennenzulernen, hinter die Kulissen der Einrichtung zu schauen und direkter mit den Mitarbeiter*innen zu kommunizieren. Schnell und unkompliziert soll es sein. Als Problematisch wurde vor allem der (nicht vorhandene) Datenschutz gesehen. Die Nutzung von sensiblen Daten hat deshalb auch Auswirkungen auf die Dienstleistungen, die von Bibliotheken angeboten werden. Nicht alles was technisch möglich ist, wird auch umgesetzt. Wichtig ist hier, dass ein bewusster Umgang mit den persönlichen Daten wichtig ist. Die Teilnehmer haben es aber nicht als Ausschlusskriterium gesehen (was bei einer Diskussion auf einer Social Media Plattform nicht weiter überrascht). Die Arbeitsbelastung zur Betreuung verschiedener Plattformen, sowie die Erwartung, dass die Mitarbeiter immer direkt reagieren, wurden kritisch angemerkt.

An dieser Stelle nochmals einen ganz herzlichen Dank an alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Ich bin schon auf das Thema des nächsten Chats gespannt.