Über MNeumann

Hallo, mein Name ist Marlene Neumann. Studiert habe ich Bibliotheks- und Informationswissenschaften in Leipzig und Berlin. Bei Twitter bin ich als @marlene_n unterwegs. Dort gefällt mir der Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen sowie mit allen Bibliotheksinteressierten. Mir ist es wichtig den eigenen Horizont weiten, Informationen teilen und gemeinsam über die Rolle der Bibliothek reflektieren zu können. Die Anregungen und Denkanstöße nutze ich für meine Arbeit als Verantwortliche für Bibliotheksentwicklung, Qualitätsmanagement und digitale Medien in der Erlanger Stadtbibliothek. Meine beruflichen Schwerpunkte sind außerdem: Öffentlichkeits- und Veranstaltungsarbeit, Lektorat, Informationsdienst, Online-Kommunikation und Bibliothekspädagogik. Privat interessiere ich mich für das Welt- und Zeitgeschehen, Kultur und Literatur. Ich reise gern und mag die Fränkische Schweiz, das Wandern und Biergärten.

Unser Rückblick auf den 17. BIBchatDE – Leitbilder in Bibliotheken

Der 17. #BIBchatDE beschäftigte sich mit der Frage, wozu und wie Bibliotheken Leitbilder (bzw. Visionen) entwickeln und mit Leben füllen. Mehr als 20 Diskussionsteilnehmer*innen tauschten ihre Meinungen und Erfahrungen aus. Zu Wort meldeten sich auch Mitarbeiter*innen aus Einrichtungen mit existierenden Leitbildern, z.B. der Deutschen Nationalbibliothek, der UB Basel, der Fachstelle für Öffentliche Bibliotheken NRW, der Stadtbüchereien Düsseldorf, den Münchner Stadtbibliothek oder der Stadtbücherei Ibbenbürren.

Wir haben die Tweets vom 6. August 2018 wieder übersichtlich zum Nachlesen dokumentiert:

Leitbilder dienen als strategischer Kompass. Sie sind Maßstab für die Entwicklung operativer Ziele, Bibliothekskonzepte bzw. Arbeitsprogramme. Leitbilder beinhalten das eigene Selbstverständnis, den Auftrag sowie den Wertehorizont der Institution und ihrer Mitglieder*innen.

Ein gutes Leitbild gibt einen Orientierungsrahmen und wirkt nach innen und nach außen. Es sollte präzise, realistisch und verständlich formuliert sein. Das Leitbild muss gemeinsam entwickelt und getragen werden. Nicht wirksam ist ein Leitbild dann, wenn es oktroyiert wird bzw. wenn die „schönen Worte“ im Alltag nicht mit der Realität übereinstimmen. Deshalb ist die Leitbild-Entwicklung kein Prozess, der abgeschlossen werden kann, sondern das Leitbild muss im Alltag immer wieder hervorgeholt und übersetzt werden.

Die Kommunikation des Leitbildes kann über die üblichen Instrumente der Öffentlichkeitsarbeit erfolgen. Vor allem aber wird es indirekt mittels aus dem Leitbild abgeleiteten Angeboten und Handlungsweisen transportiert. Eine publikumswirksame Übersetzung des Leitbildes gelingt der Stadtbibliothek Charlottenburg-Wilmersdorf mit dem Claim „Wir bieten Vielfalt einen Ort.“ Das entsprechende Logo finden die Besucher*innen dort in Verbindung mit konkreten Angeboten, zum Beispiel der Tandem Treffbox.

Für uns war der Austausch über Leitbilder und deren Erstellungsprozess sehr spannend. Danke für euer Interesse!

Jetzt möchten wir noch etwas Besonderes ankündigen: Der 18. #BIBchatDE am Montag, den 3. September wird als Spezialchat zum Thema OER (Open Educational Resources) in Bibliotheken von der Expertin Gabriele Fahrenkrog (@fahrenkrog) moderiert. Wir freuen uns schon sehr darauf!

Ankündigung 17. #BIBchatDE am 06.08.2018

Ihr habt euch beim Voting für den kommenden Bibchat für das folgende Thema entschieden:

Leitbilder in Bibliotheken – wie und wozu?

Fragen

Folgende Fragen dienen am Montag, den 6. August von 20 bis 21 Uhr als Diskussionsgrundlage:

20:05 Uhr
F1 Warum interessierst du dich für das Thema? Hat deine Bibliothek/Organisation ein Leitbild? Wenn ja, erzähle etwas darüber.

20:10 Uhr
F2 Worin siehst du die Chancen und Vorteile oder auch Risiken von Leitbildern?

20:15 Uhr
F3 Was sollte ein Leitbild beinhalten und was nicht?

20:25 Uhr
F4 Wie sollte ein Leitbild erarbeitet werden bzw. wie nicht?

20:35 Uhr
F5 Was sind geeignete Wege, um das Leitbild dem Träger, den Nutzer*innen und der Öffentlichkeit bekannt zu machen? Deine Ideen sind gefragt!

20:45 Uhr
F6 Wie kann ein Leitbild in der Bibliothek auch „gelebt“ werden, z.B. hinsichtlich des angestrebten Verhaltens der Mitarbeiter*innen gegenüber Nutzer*innen oder Kolleg*innen?

20:55 Uhr
F7 Welche Anregungen hast du noch zum Thema?

Was ist ein Leitbild?

Das Leitbild nennt die Ziele und Werte der Organisation und stellt Richtlinien für das Verhalten der Mitarbeiter*innen dar. Es trifft eine prägnante und langfristig gültige Aussage über die Identität der Bibliothek und beantwortet die Fragen, weshalb die Bibliothek existiert, was ihr Auftrag ist und welche Angebote für welche Zielgruppen mit welcher Haltung erbracht werden.

Beispiele:

Leitbild der Deutschen Nationalbibliothek
Leitbild der Staatsbibliothek zu Berlin
Leitbild der Stadtbibliothek Herrenberg
Leitbild der Münchner Stadtbibliothek
Leitbild der UB Hildesheim
Leitbild der Stadtbibliothek Nürnberg
Leitbild der UB TUM München
Leitbild der Stadtbibliothek Germering
Leitbild der Stadtbibliothek Bremen
Leitbild der Stadtbibliothek Chemnitz
Leitbild der Universitätsbibliothek RWTH Aachen
Leitbild der Stadtbücherei Ibbenbüren
Leitbild der Stadtbücherei Münster
Strategiekonzept und Leitbild der Stadtbibliothek Köln
Vision 2020: Zentralbibliothek der Zukunft (Düsseldorf)

Quellen zur Vertiefung:

Im Blog der Münchner Stadtbibliothek berichtet Anke Buettner, Leitung Programm- und Öffentlichkeitsarbeit, über das Entstehen der Vision 2020.

Eidloth, Christian: Leitbilder
Löffler, Maria: Leitbilder in Bibliotheken – eine erste Zwischenbilanz. In: Bibliotheksforum Bayern 2 (2008).
Riemer, Tracy: Visionen öffentlicher Bibliotheken in Deutschland. – Köln, Bachelorarbeit, 2014.
Rudolf Brockhaus, Sebastian Lange: Das Leitbild der Zentralbibliothek der Sportwissenschaften Köln – eine Evaluation. – Köln, Masterarbeit, 2012.
Umlauf, Konrad: Das Leitbild. – Hamburg: Verlag Dashöfer GmbH , 2002.
Zschau, Gerhard ; Jobmann, Peter: Auf dem Weg zur demokratischen Bibliothek. – Berlin, Freie Univ., Masterarbeit, 2013.

#BIBchatDE meets #bibtag18

Sehen wir uns in Berlin? Das Bibchat-Team freut sich auf den persönlichen Austausch mit euch.

Zu folgenden zwei Veranstaltungen möchten wir euch sehr herzlich einladen:

Mittwoch, 13.06., 9:00 bis 9:30 Uhr im Raum IV

#BibChatDE: Ein Jahr digitales Netzwerken auf Twitter – Wo geht die Reise hin?

Nach einem Jahr Vorlauf startete im April 2017 der erste Bibchat auf Twitter mit dem Ziel, auf bibliothekspraktisches Tun aufmerksam zu machen, interdisziplinäres Netzwerken durch überregionale Kontakte zu unterstützen und Projekte multiperspektivisch, konstruktiv, aber auch kontrovers im öffentlichen Raum zu diskutieren.
Wie weit wird das Format dem in der Zielsetzung der Initiatoren formulierten Hoffnungen bislang gerecht? Wie gut klappt die Vernetzung über die Grenzen des eigenen Berufsfeldes hinaus? Gibt es einen Mehrwert gegenüber anderen Plattformen? Und wie soll es weitergehen?
Wir legen eine erste Jahresbilanz vor und begeben sich anschließend gerne in den Austausch mit dem Publikum.

Mittwoch, 13.06., 14:00-15:30 Uhr im Lab II,

Beim #BIBChatDE mitmachen. Twitter für Anfänger*innen

Unter dem TwitterAccount @BIBChatDE tauschen sich Twitteruser über Bibliotheksthemen im deutschsprachigen Raum einmal monatlich aus.
Doch wie kann ich mitmachen, wenn ich noch nie getwittert habe? Was brauche ich dazu? Wie funktioniert Twitter und die dortige Community? Was bringt mir Twitter über den #BIBchatDE hinaus für mich und meine Institution? Wie kann ich mich mit Multiplikatoren vernetzen? Dieses alles erklären und zeigen die „Macher*innen“ vom BIBChatDE im Hands-on-Labor.

ABSTIMMUNG FÜR DEN 15. BIBCHATDE

Hier könnt ihr für das Thema des 15. #BIBchatDE am Montag, den 4. Juni 2018 abstimmen.

Bitte den Tweet, der dein Wunschthema enthält, einfach faven (bis Freitag, 25.05.):

Unser Rückblick auf den 14. BIBchatDE – Das Berufsbild im Wandel

Der 14. Bibchat drehte sich um das Berufsbild von bibliothekarischen Fachkräften. In Zeiten der Digitalisierung und gesellschaftlicher Umbrüche stehen die Mitarbeiter*innen in Bibliotheken vor neuen Herausforderungen, welche mit Veränderungen im Selbstverständnis und im Aufgabenprofil von Fachangestellten für Medien und Informationsdienste und Bibliothekar*innen einhergehen.

Wir haben die Diskussion vom 7. Mai 2018 hier wieder übersichtlich zum Nachlesen aufbereitet:

Das hohe Tempo der technologischen Veränderungen und das rasche Veralten von Wissen impliziert, dass Ausbildung bzw. Studium lediglich ein Fundament für den Berufsweg schaffen und berufliche Qualifikationen weiterentwickelt werden müssen. In Bibliotheken führt dies zum einen zur Spezialisierung von Mitarbeiter*innen und zum anderen zu einer intensiveren Zusammenarbeit mit spezialisierten Partnern.

Die Hierarchien zwischen FaMIs und Bibliothekar*innen werden flacher, zumindest in Öffentlichen Bibliotheken. Dort übernehmen FaMIs neben den klassischen Tätigkeiten (Theke, Einstellen, Erwerbung etc.) zunehmend Aufgaben in der Veranstaltungs- und Öffentlichkeitsarbeit, in der Beratung oder im Lektorat. Damit eröffnen sich mehr Möglichkeiten, entsprechend der individuellen Fähigkeiten eingesetzt zu werden. Leider geht dies nicht immer mit einer fairen Bezahlung für entsprechende Tätigkeiten einher.

Was sind die Einsatzfelder von studierten Bibliothekar*innen? Sie definieren sich vor allem über den Verantwortungsgrad – etwa in Hinblick auf Personalführung oder Projektleitung, aber auch über berufsspezifisches Zusatzwissen.

Braucht es den Master oder reicht der Bachelor? Überraschend war für mich der Wunsch nach einer erneuten Differenzierung in ÖB/WB beim Bachelor, da ich dies persönlich in meinem Diplom-Studium als unnötig einschränkend erlebt habe.

Viele äußerten Zweifel an der Sinnhaftigkeit eines rein bibliothekarischen Masters. Stattdessen wurden zwei alternative Modelle präferiert:

  • Fachspezifischer Bachelor, danach Bibliotheks-Master (bisher nur im WB-Bereich üblich) oder
  • Bibliotheks-Bachelor, danach Spezialisierungs-Master z.B. (Medien-)Pädagogik

Wir sind gespannt, wie sich die Ausbildungsmöglichkeiten und das Berufsbild weiterentwickeln werden und bedanke uns bei allen, die diesen Bibchat mitgestaltet oder verfolgt haben.

Ankündigung 14. #BIBchatDE am 07.05.2018

Ihr habt euch beim Voting für den kommenden BibChat für das folgende Thema entschieden:

Das Berufsbild von BibliothekarInnen/FaMIs im Wandel

In den bisherigen BibChats wurde bereits häufiger die Veränderungen in Bibliotheken und die damit einhergehenden Auswirkungen auf die Arbeit sowie die Situation für Berufsanfänger/Quereinsteiger thematisiert.

Nun soll das Berufsbild im Mittelpunkt der Diskussion stehen. Der gesellschaftliche und technologische Wandel bringt viele Umwälzungen mit sich. Die Arbeitswelt und das Freizeitverhalten ändern sich und damit auch die Ansprüche der Menschen an den Zugang zu Informationen und Medien. Digitale Medien und Infrastrukturen und der kompetente Umgang mit neuen Technologien spielen eine immer wichtigere Rolle. Die Gesellschaft wird bunter und vielfältiger, triftet aber auch zunehmend auseinander. Ohne Zweifel: All diese Veränderungen bleiben nicht ohne Folgen für den bibliothekarischen Beruf.

Wir sind gespannt, wie ihr den Wandel des Berufsbildes von BibliothekarInnen und Fachangestellten für Medien- und Informationsdienste (FaMIs) erlebt.

Fragen

Folgende Fragen dienen am Montag, den 7.5. von 20 bis 21 Uhr als Diskussionsgrundlage:

  1. Welche gesellschaftlichen und technologischen Veränderungen wirken sich auf das bibliothekarische Berufsbild aus? Was bedeutet das konkret für eure Arbeit?
  2. Welche Aufgaben haben FaMIs in eurer Bibliothek? Wie wird sich der Beruf weiterentwickeln?
  3. „Echt, das kann man studieren“. Was sind die Einsatzfelder von BibliothekarInnen – auch in Abgrenzung zu den FaMIs – heute und morgen?
  4. Braucht es den Master oder reicht der Bachelor? Eure Meinungen und Erfahrungen sind gefragt.
  5. Was antwortet ihr auf die Frage: „Wozu braucht es eigentlich noch BibliothekarInnen/FaMIs?“

Ihr wollt euch vor dem Bibchat noch etwas intensiver mit dem Thema beschäftigen?

Hier haben wir euch noch einige weiterführende Informationen zusammengestellt:

Literatur

Das Themenheft „Ausbildung und Berufsbild für die Bibliothek der Zukunft“ (Oktober 2017) im Bibliotheksdienst ist leider noch nicht frei zugänglich.

Welche bibliothekarischen Berufe gibt es?

Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste (FaMI)

Das Berufsbild des FaMIs wandelt sich wohl am stärksten. Denn ein großer Teil der traditionellen Tätigkeiten wie Ausleihe fallen durch die Automatisierung weg. In Öffentlichen Bibliotheken übernehmen FaMIs zunehmend höherwertige und komplexere Aufgaben, betreuen Lektorate und digitale Angebote oder arbeiten im Auskunftsdienst sowie in der Bibliothekspädagogik mit. Ihre Einsatzgebiete werden dort auch deshalb ausgeweitet, weil es für die Arbeitgeber preiswert ist. Eine den Tätigkeiten entsprechende Bezahlung findet vielerorts nicht statt, obwohl die tarifrechtlichen Strukturen durch die neue Entgeltordnung theoretisch mehr Spielräume bieten.

Diplombibliothekare bzw. Bachelor-Absolventen Bibliotheks-, Informationswissenschaft

Sie befinden sich in einer nicht einfachen Sandwich-Position. Die klassischen Aufgaben Erwerbung und Erschließung werden auch in wissenschaftlichen Bibliotheken zunehmend von FaMIs übernommen. In Öffentlichen Bibliotheken löst sich die bekannte Aufgabenteilung (FaMIs: Ausleihe und Katalogisierung – Bibliothekare: Auskunftsdienst und Bestandsaufbau) immer weiter auf. Hier wie dort übernehmen BibliothekarInnen die spezialisierten Fachaufgaben und/oder Leitungsfunktionen.

Masterabsolventen Bibliotheks-, Informationswissenschaft

Wie lange wird es den typischen wissenschaftlichen Bibliothekar noch geben? Laut Konstanze Söllner ist das reine Fachreferat auf dem Rückzug. Aufgaben im Bereich Open Access sowie Forschungsdatenmanagement nehmen zu. Sie werden aber in der Ausbildung nur punktuell vermittelt. Erforderlich ist eine nachhaltige Anpassung „von einer breit angelegten postgradualen Bibliotheksausbildung hin zur Vermittlung von spezifischen Wissen verbunden mit einer deutlichen Profilierung.“ (Söllner, 2017, S. 858f.)

Spezialisierte Seiteneinsteiger

Nach wie vor dominieren Beschäftigte mit bibliothekarischen Abschlüssen. Diese arbeiten sich üblicherweise in neue Bereiche ein. Aber auch das ist im Wandel. So werden für die Aufbereitung von Forschungsdaten IT-Spezialisten oder für die Förderung von Medienkompetenz Pädagogen gesucht. Ihr Wissen und ihre Erfahrungen bereichern und werden gebraucht.

Wie wirkt sich der Wandel des Berufsbildes auf die Bibliothekarische Aus- und Fortbildung aus?

Selbstverständlich muss sich auch die bibliothekarische Ausbildung wandeln. Die Anforderungen sind hoch und teilweise konträr: Vermittlung von Metakompetenzen versus Aufgreifen aktueller Trends. Wissen veraltet schneller, sodass berufsbegleitende Spezialisierungsangebote in Zukunft eine größere Rolle einnehmen müssen.

ABSTIMMUNG FÜR DEN 13. #BIBCHATDE

Hier könnt ihr für das Thema des 13. #BIBchatDE am Montag, den 2. April abstimmen.

Bitte den Tweet, der dein Wunschthema enthält, einfach faven (bis Freitag, 23.03.):

Unser Rückblick auf den 12. #BIBchatDE – Sonntagsöffnung in Bibliotheken

Sollen Bibliotheken sonntags öffnen dürfen? Und wenn ja, was hätte das für Konsequenzen – für Mitarbeiter*innen und Nutzer*innen? Am 5. März 2018 haben sich ca. 50 Teilnehmer*innen durchaus kontrovers über das Thema Sonntagsöffnung von Bibliotheken ausgetauscht.

Wir haben den gesamten Bibchat für euch mit dem Tool Shorthand zum Nachlesen dokumentiert:

An dieser Stelle belassen wir es deshalb bei einer kurzen Zusammenfassung.

Bibliotheken sind sonntags fast immer geschlossen. Ein wesentlicher Grund dafür ist die im Grundgesetz geregelte Sonntagsruhe. Prinzipiell ist es für viele nicht einsichtig, warum Museen und Theater öffnen dürfen, Stadtbibliotheken aber nicht. Andererseits schätzen viele auch den Sonntag als garantiert arbeitsfreien Ruhe- und Familientag.

Es gibt zahlreiche Argumente für bzw. gegen eine Sonntagsöffnung. Einige von den Teilnehmer*innen haben zudem von ihren positiven Erfahrungen mit der Sonntagsöffnung berichtet, z.B. in Siegburg, Wetzlar, Bielefeld oder ausländischen Bibliotheken.

Viele sprechen sich dafür aus, dass Bibliotheken zumindest das Recht erhalten sollen, sonntags zu öffnen, auch wenn vielerorts allein schon wegen fehlenden Ressourcen eine Sonntagsöffnung mit Bibliothekspersonal nicht realisierbar wäre.

Umstritten ist die Alternative eine Öffnung ohne Personal, mit entsprechender Sicherheits- und Ausleihtechnik, zu realisieren. Der aktuelle Modellversuch der Berliner Amerika-Gedenkbibliothek – Sonntagsöffnung mit Veranstaltungsprogramm – ist eine andere Option.

Ein überlegenswertes Szenario für die Zukunft: Die Schaffung von frei zugänglichen und gestaltbaren Räumen mit Bibliothek und weiteren Kulturschaffenden, in denen sich die Menschen ohne Konsumzwang in ihrer Freizeit beschäftigen können, auch am Sonntag.

Bei der abschließenden Positionierung schlugen wohl nicht nur in meiner Brust zwei Herzen. Die Mehrheit der Chat-Teilnehmer*innen hat sich jedoch für die Möglichkeit einer Sonntagsöffnung ausgesprochen.

Ankündigung 12. #BIBchatDE am 05.03.2018

Sollen Bibliotheken sonntags öffnen (dürfen)?

Eine gute Bibliothek sollte ausreichende und bedarfsorientierte Öffnungszeiten haben. Doch bei der Frage, ob Bibliotheken auch sonntags öffnen sollen, sind Bibliotheksmitarbeiter*innen zu etwa gleichen Teilen in Befürworter*innen und Gegner*innen gespalten.

Sonntag geschlossen. So steht es an den Türen (fast) aller deutschen Bibliotheken. Was vielleicht nicht jeder weiß: Stadtbibliotheken dürfen laut Bundesarbeitszeitgesetz im Unterschied zu anderen Kultureinrichtungen oder wissenschaftlichen Präsenzbibliotheken gar nicht öffnen – zumindest nicht mit eigenem Personal.

Sollen Bibliotheken sonntags öffnen dürfen? Und wenn ja, was hätte das für Konsequenzen – für Mitarbeiter*innen und Nutzer*innen? Wir sind gespannt auf eure Meinung und Antworten auf folgende Fragen:

Zur Diskussion:

  • F 1 Welche Bedeutung hat der Sonntag für euch persönlich? Wie findet ihr es, dass der Sonntag als Tag der Ruhe gesetzlich geschützt ist und deshalb Bibliotheken im Unterschied zu Museen und Theatern nicht öffnen dürfen?
  • F 2 Welche Argumente sprechen für bzw. gegen eine Sonntagsöffnung von Bibliotheken? Seht ihr in eurem Umfeld einen Bedarf für die Sonntagsöffnung?
  • F3 In der Berliner Amerika-Gedenkbibliothek bieten freie Künstler sonntags ein kulturelles Programm an. Nebeneffekt: Bibliothek offen, Ausleihe möglich – wenn auch ohne bibliothekarisches Fachpersonal und Beratung. Was haltet ihr von diesem Modell?
  • F4 Wie beurteilt ihr den Trend der Open Library, technikgestützt (Einlass mit Bibliothekskarte, Selbstverbuchung, Kameras) zusätzliche personalfreie Öffnungszeiten anzubieten?
  • F 5 Was ist euer Fazit: Sollen Bibliotheken sonntags öffnen (dürfen?)

Mehr Informationen

hr habt euch bisher noch nicht näher mit dem Thema beschäftigt oder euch noch keine Meinung gebildet? Dann helfen euch vielleicht folgende Hintergrundinformationen:

Kritiker*innen der Sonntagsöffnung – darunter auch die Gewerkschaften – meinen u.a., dass

  • die im Grundgesetz geregelte Sonntagsruhe zum Schutz der Arbeitnehmer*innen nicht unnötig aufgeweicht werden sollte
  • die Arbeitsverdichtung der Bibliotheksbeschäftigten bereits jetzt hoch ist (regelmäßige Spät- und Samstagsdienste)
  • eine Sonntagsöffnung teuer wäre („Sonntagszuschläge“) und zwangsläufig mit einer Ausdünnung der Servicezeiten mit Fachpersonal bzw. Einschränkung wichtiger Dienstleistungen einhergehen würde
  • das Bibliotheksangebot für den Sonntag „entbehrlich“ sei, auch weil ausgeliehene Bücher und Medien im Gegensatz zu Museumsobjekten oder Theatervorstellungen nach Hause mitgenommen und damit auch sonntags genutzt werden können.

Befürworter*innen der Sonntagsöffnung – darunter auch die Bibliotheksverbände dbv und BIB – meinen, dass:

  • Bibliotheken das Recht erhalten sollen, auch am Sonntag zu öffnen, wenn es ihre Ressourcen erlauben und ihren Zielgruppen dient
  • sich die Arbeits- und Lebensbedingungen verändert haben (z.B. Ganztagsschulen) und Bibliotheken dann geöffnet haben sollen, wenn die meisten Leute Zeit für einen Besuch haben
  • für berufstätige Menschen der Sonntag eine der wenigen Gelegenheiten für einen Bibliotheksbesuch bietet
  • die Sonntagsöffnung die Rolle der Bibliotheken als Aufenthalts- und Freizeitort stärkt und eine Gleichstellung mit anderen kulturellen Orten wie Museen selbstverständlich sein sollte.

Die Erfahrungen in Modellprojekten in Mönchengladbach (Familienbibliothek Rheydt) oder Bremen sind überwiegend positiv (hohe Besucherfrequenz, längere Aufenthaltsdauer, mehr Familien, Schüler*innen, Studierende und Berufstätige), machen aber auch die Problematik der fehlenden bibliotheksfachlichen Betreuung deutlich.

In wissenschaftlichen Bibliotheken gibt es einen kleinen Trend in Richtung Sonntagsöffnung, häufig mit reduziertem Service und Fachpersonal. Dort wie auch in nordischen Ländern (z.B. Dänemark und Finnland) führen vor allem technische Entwicklungen wie die automatisierte Medienverbuchung und Zugangskontrolle zu einer Ausweitung der personalfreien Öffnungszeiten, die von den Nutzer*innen gut angenommen werden.

Auch in der Schweiz bleiben Bibliotheken in der Regel sonntags geschlossen. Eine Ausnahme bildet die Kantonsbibliothek Baselland, die seit vielen Jahren positive Erfahrungen mit der Sonntagsöffnung macht. Dort findet von Oktober bis April ein regulärer Sonntagsbetrieb mit Bibliothekspersonal statt.

Weil ein solcher regulärer Sonntagsbetrieb in Deutschland gesetzlich nicht möglich ist, geht die Amerika-Gedenkbibliothek seit neuesten einen anderen Weg. Dort bespielt das „sonntagsbureau“, eine Gruppe von Künstlern aus der Freien Szene, sonntags die Räume.

Ist die Sonntagsöffnung überhaupt nur ein Thema für große und finanzstarke Bibliotheken? In kleinen und mittleren Städten wünschen sich die Nutzer*innen zunächst einmal die Öffnung an allen Werktagen oder eine längere Samstagsöffnung. Für eine Sonntagsöffnung gibt es vielerorts (z.B. Verl) keinen Bedarf.

Noch einige Links

Positionen zur Sonntagsöffnung (BIB)

Ergebnisse der BIB-Mitgliederbefragung zur Möglichkeit einer Sonntagsöffnung in Öffentlichen Bibliotheken [veröffentlicht in BuB H. 4.2015, S. 171]

Sonntagsöffnung in kommunalen Bibliotheken (dbv)

BuB 02/2015 zur Sonntagsöffnung

Pro & Contra: Sollen Bibliotheken sonntags öffnen?

Sollen Bibliotheken auch an Sonntagen geöffnet sein?

Sonntagsöffnung in der Amerika-Gedenkbibliothek

Open Library in Bremen

Öffnet die Bibliotheken auch am Sonntag!

dbv fordert von Koalitionsparteien Unterstützung für Anliegen der Bibliotheken

Stand und Perspektive der Sonntagsöffnung in Bremen

Gedanken zur Sonntagsöffnung

Verch, Ulrike: Sonntagsöffnung von Bibliotheken

Sonntagsöffnungszeiten in öffentlichen. Bibliotheken in der Schweiz. Simone Beeler.

Immer wieder sonntags – Kantonsbibliothek Baselland

Toronto libraries extend hours — but not staffing

ABSTIMMUNG FÜR DEN 12. #BIBCHATDE

Hier könnt ihr für das Thema des 12. #BIBchatDE am Montag, den 05.03.2018 abstimmen.

Bitte den Tweet, der Dein Wunschthema enthält, einfach faven (bis Freitag, 23.02.2018):